17.10.2011

Billiges Baugeld

Was Immobilienkäufer, Bausparer und Anschlussfinanzierer jetzt tun sollten

Baugeld ist derzeit so günstig wie nie: Die anhaltenden Turbulenzen rund um den Euro haben für Bauherren und Immobilienkäufer einen sehr angenehmen Nebeneffekt. Die Zinsen am deutschen Anleihemarkt sinken immer weiter und damit auch die Zinsen für Baudarlehen. Bei einer zehnjährigen Zinsfestschreibung und einem Darlehensbetrag von über 100.000 Euro verlangen viele Banken derzeit nur noch einen Effektivzins von knapp über 3 Prozent pro Jahr. Das sind absolute Traumkonditionen für Häuslebauer und Immobilienkäufer. Doch je nach Ausgangssituation gibt es unterschiedliche Punkte zu beachten, wenn die aktuelle Zinssituation optimal genutzt werden soll.

Für Neufinanzierer gilt: Sie bekommen ihr Darlehen heute wesentlich günstiger als vor wenigen Monaten. Damals stand noch eine Vier vor dem Komma des Effektivzinssatzes. Im langfristigen Rückblick mussten Kreditnehmer auch schon fünf, sechs oder sieben Prozent zahlen. Die Kehrseite der Medaille: Je niedriger der Zinssatz, desto länger dauert die Entschuldung der Immobilie. Wer beispielsweise ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro mit zehnjähriger Laufzeit und einem festen Sollzins von 3,10 Prozent p. a. (effektiver Jahreszins: 3,14 Prozent p. a.) abschließt und jährlich ein Prozent der Darlehenssumme tilgt (Monatsrate: 683,33 Euro), muss am Ende der Laufzeit mit einer Restschuld von immerhin rund 176.600 Euro in die Anschlussfinanzierung gehen, sofern er keine Sondertilgung vornimmt. Deutlich niedriger ist der Schuldenstand bei einer zweiprozentigen Tilgung. Die Monatsrate beträgt nun glatte 850 Euro – dies entspricht einer monatlichen Mehrbelastung von 166,67 Euro. Dadurch sinkt jedoch die Restschuld auf rund 153.200 Euro – also um stolze 23.400 Euro. Da niemand weiß, wie teuer Baugeld in zehn Jahren sein wird, empfiehlt es sich, die durch die aktuell günstigen Zinskonditionen entstehenden Spielräume für eine höhere Tilgung zu nutzen! Das heißt im Umkehrschluss: Die Zinsersparnis sollte nicht zum Kauf einer teureren Immobilie genutzt werden, sondern zum schnelleren Schuldenabbau. Außerdem ist es sinnvoll, sich die Traumkonditionen langfristig zu sichern, zum Beispiel für 15 Jahre. Das bringt eine hohe Kalkulationssicherheit.

Auch Bausparer können von den aktuell sehr niedrigen Hypothekenzinsen profitieren. So sollten jene mit zuteilungsreifen Verträgen vor dem Darlehensabruf auf jeden Fall die Konditionen des Bauspardarlehens mit den Zinsen für ein klassisches Hypothekendarlehen der Banken mit gleicher Beleihungshöhe vergleichen. Denn solche Bankangebote können im aktuellen Zinstief günstiger sein. Ist das der Fall, gilt: Auf das Bauspardarlehen verzichten, sich das angesparte Vertragsguthaben auszahlen lassen und als Eigenmittel in die Finanzierung einbringen. Positiver Nebeneffekt: Mitunter bekommt der Immobilienkäufer von seiner Bausparkasse deutlich mehr Geld überwiesen als gedacht. Je nach Bauspartarif winken beim Darlehensverzicht sogar rückwirkend höhere Sparzinsen und manchmal werden bereits bezahlte Abschlussgebühren komplett erstattet. Über die fehlende Summe wird dann ein günstiges Hypothekendarlehen abgeschlossen.

Auch Anschlussfinanzierer zahlen künftig weniger Zinsen an ihre Bank. Sie können häufig noch mehr sparen, wenn sie nicht bei ihrem derzeit finanzierenden Geldinstitut bleiben, sondern wechseln. Wer rechtzeitig (etwa vier Monate vor Ende der laufenden Zinsbindung) mehrere Angebote mit identischen Eckdaten einholt, hat gute Chancen, einen günstigeren Anschlussfinanzierer zu finden. Nicht selten lassen sich so ein paar Tausend Euro Zinsen sparen.

Steht dagegen die Anschlussfinanzierung erst in ein paar Jahren an, sollte der Abschluss eines Baudarlehens „auf Vorrat“ (Forward-Darlehen) geprüft werden. Das ist bis zu vier Jahre vor der fälligen Anschlussfinanzierung möglich – je nach Anbieter. Der Kunde sichert sich damit schon heute das derzeit sehr niedrige Zinsniveau. Allerdings zahlt er für das Darlehen auf Vorrat einen Aufschlag auf den aktuellen Zins. Dieser liegt zurzeit in der Regel zwischen 0,02 und 0,04 Prozentpunkten für jeden Monat der Restlaufzeit des laufenden Baudarlehens.

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