21.07.2010
 

Banken lassen hohes Finanzierungsvolumen "liegen"

  • Franchise-Wirtschaft: Für Geldgeber großes Potenzial bei relativ geringem Risiko
  • Nur 4 Prozent der Franchise-Gründer scheitern
  • Expertin Waltraud Martius kritisiert heimische Geldinstitute

"Österreichische Banken unterschätzen das große Potenzial von Franchise-Unternehmen", kritisiert die Expertin Waltraud Martius. Während Bankhäuser in anderen Ländern sogar eigene Franchise-Abteilungen gründen, stehen heimische Geldinstitute dem Erfolgsrezept der systemischen Multiplizierung von Geschäftsmodellen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. Dabei scheitern im Franchising nur vier Prozent aller Existenzgründer - bei "klassischen" Unternehmern ist es über ein Drittel.

"Allein diese Zahl müsste auch in Österreich jede Bank auf entsprechende Finanzierungen 'springen' lassen, unsere Kreditgeber nutzen diese Gelegenheit aber zu selten", meint Martius. "Dabei wäre die Chancen-Risiko-Analyse hier so einfach wie nirgends sonst. Es gibt ja bereits ein vorhandenes System mit vielen Erfahrungswerten der gleichartigen Partner-Unternehmen. Auch die Finanzierungsunterlagen von angehenden Franchise-Nehmern sind durch die Unterstützung des Gebers in der Regel sehr professionell und aussagekräftig."

Franchise-Wirtschaft mit ausgezeichneten Expansionschancen

Waltraud Martius betreut mit ihrem Beratungsunternehmen Syncon zahlreiche internationale Franchise-Systeme, die Salzburgerin ist seit 25 Jahren in der Branche tätig, Mitbegründerin und heute Ehrenpräsidentin des Österreichischen Franchise-Verbandes (ÖFV): "Wir haben im Franchising in Österreich viel erreicht, die mangelnde Bereitschaft österreichischer Banken, Gründer im Franchising ausreichend zu unterstützen, ist für mich aber manchmal frustrierend."

Dabei zeigt ein Blick über die Grenzen, dass in anderen Ländern die Kreditgeber das enorme Potenzial von Franchise-Finanzierungen längst erkannt haben. In Instituten wie Deutsche Bank und den Sparkassen in Deutschland, der ABN Amro in den Niederlanden oder HSBC, Lloyds oder Natwest in Großbritannien kümmern sich ganze Abteilungen um das hochattraktive Segment. Die Deutsche Bank verweist in einer hauseigenen Studie auf "gute Expansionschancen" der Franchise-Wirtschaft und sieht besonders in Bereichen wie Gesundheit und Pflege, Bildung, Umwelt und Energie große Wachstumsmöglichkeiten.*

ÖFV prüft seine Mitglieder

Der Franchising-Boom ist auch in Österreich ungebrochen. Derzeit sind laut Österreichischem Franchise-Verband rund 400 Systeme aktiv, mehr als 6.000 einzelne Partner beschäftigen über 100.000 Mitarbeiter. "Der Verband nimmt den Banken schon einiges an Arbeit ab", erklärt Martius. "Schließlich prüft er jedes System vor der Aufnahme sehr gründlich. Zudem wurde im vergangenen Jahr mit dem System-Check ein neues Qualitätszertifikat eingeführt."

Banken können diese Zahlen, Daten und Fakten sofort verwerten. Daneben erstellen die meisten Franchise-Geber mit Martius und ihren Beraterinnen von Syncon eine professionell erstellte "Bankenmappe" für ihre künftigen Partner. Die Bank bekommt so ein gutes Bild vom System und kann sich schnell auf den Franchise-Nehmer selbst konzentrieren. "Insgesamt ergibt das in der Kreditprüfung viele Vorteile gegenüber klassischen Firmengründern", betont Martius. Sie hofft, "dass Österreichs Bankenwelt doch irgendwann einmal erkennt, welch großes und lukratives Finanzierungsvolumen sich hier bietet."

*Studie: Deutsche Bank Research, Franchising in Deutschland wird erwachsen, Nov 2007 (PDF)

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