12.08.2010
Interview mit André Kauselmann, ING-DiBa, zum Geldautomaten-Streit
Frankfurt/Main - David Ernsting, Herausgeber von Banking-Test.de, sprach mit André Kauselmann, Pressesprecher der ING-DiBa, über den Geldautomaten-Streit um die Gebühren für Bargeldabhebungen an Fremdautomaten, für die einige Geldinstitute mittlerweile bis zu 20 Euro berechnen, und welche Gebührengrenze in Zukunft denkbar wäre.
Der Geldautomatenstreit dauert nun schon fast zwei Jahre. An welchen Fronten wird derzeit gestritten?
André Kauselmann: "Es gibt derzeit zwei Felder auf denen Argumente ausgetauscht werden: vor Gericht und beim Bundeskartellamt. Vor Gericht hat im Juni erstmalig ein Oberlandesgericht ein Urteil gefällt. Die Sparkasse Ingolstadt wurde vom OLG München verurteilt, ihre Geldautomaten für die VISA-Karten der drei klagenden Banken,
TARGOBANK,
Volkswagen Bank und
ING-DiBa wieder freizuschalten. Das OLG sah in den Sperrungen der Sparkasse einen kartellrechtlich unzulässigen Vorgang, da sie in ihrem Geschäftsgebiet eine marktbeherrschende Stellung ausübe. Das Bundeskartellamt wiederum hat die extremen Preise für Bargeldabhebungen an Fremdautomaten innerhalb des ec/Maestro-Systems im Visier, die mittlerweile bis zu 20 Euro erreichen."
Was ist von Seiten des Bundeskartellamts zu erwarten?
André Kauselmann: "Kauselmann: Über den Zusammenschluss aller Banken und Sparkassen im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) haben die deutschen Kreditinstitute dem Kartellamt vorgeschlagen, die Gebühr für Fremdabhebungen auf maximal 5 Euro zu begrenzen. Das war dem Kartellamt jedoch deutlich zu hoch. Stattdessen hat das Kartellamt die Verrechnungspreise innerhalb der Bankenverbünde als Orientierungsgröße genannt, die nach dessen Angaben bei 33 Cent bis 1 Euro liegen. Die Banken und Sparkassen sind derzeit über den ZKA aufgefordert bis Ende August einen neuen Vorschlag beim Bundeskartellamt einzureichen. Wie dieser aussehen wird, ist derzeit noch unklar. Fest steht bisher nur, dass die eigentlichen Kosten für das Abheben von Bargeld bei etwa 50 bis 60 Cent liegen."
Wenn die Kosten so niedrig sind, warum sind dann die Gebühren für Bargeld am Fremdautomaten so hoch?
André Kauselmann: "Die hohen Gebühren für Bargeld am Fremdautomaten sind in der Tat ein deutsches Phänomen. In anderen Ländern wie Frankreich, Spanien oder Österreich haben sich die Banken auf vernünftige Verrechnungssätze von maximal 1 Euro geeinigt. Dies hat zu Folge, dass die dortigen Bankkunden an allen Automaten kostenlos Bargeld abheben können. Der Unterschied in Deutschland ist, dass es hier einen dominierenden Bankenverband gibt, der sich sagt, dass er die Bargeldversorgung seiner Kunden ausschließlich mit seinen eigenen Automaten sicher stellen kann. Daran ist nichts auszusetzen. Kartellrechtlich problematisch wird es dann, wenn diese Bankengruppe extrem hohe Gebühren von Wettbewerbern verlangt und so ihre Marktmacht ausnutzt."
Was ist Ihre Prognose, wie wird der Streit ausgehen?
André Kauselmann: "Das ist schwierig zu sagen. Entscheidend für die ING-DiBa ist es, dass am Ende des Tages die Kunden von allen Banken von dem Streit profitieren. Niedrige Gebühren sind schließlich für alle Kunden vorteilhaft."
Vielen Dank für das Gespräch!
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